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Kinder- und Jugendlehrgang in Bad Segeberg


Am Samstag, den 2. Juni 2018, trafen sich 19 Aikidoka zum Thema „Anspannung, Entspannung und Ausweichen“.

André Lienshöft vermittelte das Thema mit dem Schwerpunkt der Annahme des Angriffs. Die Schwachpunkte des Angreifers wurden demonstriert und erklärt. Es gab direkte Möglichkeiten beim geraden Schlag von oben, und zwar Irimi, bevor sich der Schlag entfalten konnte, aber auch ausweichende beim seitlichen Schlagangriff. Hier wurde die Energie des Angreifers umgelenkt. Die unterschiedlichen Möglichkeiten wurden mit wechselnden Uke (Partnern und Partnerinnen) geübt. Die Bedeutung der Annahme wurde herausgestellt. Ganz ernst wurde es, als der Angriff mit Hilfe eines Schaumstoff-Schwertes (präparierter Rohrisolationsschaumstoff) erfolgte. Dies steigerte die Anspannung und demzufolge auch die Konzentration. Die Geschwindigkeit des Angriffs erhöhte sich und die der Verteidigung entsprechend ebenso. Durch den Partnerwechsel mussten sich die Teilnehmenden immer wieder auf andere Situationen einstellen. Die Unterrichtszeit mit André verging wie im Fluge, so interessant war es.

Zur Mittagszeit wurde pünktlich die Pizza angeliefert. Normalerweise hat das italienische Restaurant gar keinen Pizzaservice, aber für uns wurde eine Ausnahme gemacht. Es gab eine ausgiebige Mittagspause auf den Bänken in der Turnhalle.

Zur zweiten Unterrichtseinheit erschien Sai-Kit Tsui, ein Jiu-Jitsu-Meister, der die Aufgabe hatte, uns Verteidigungsmöglichkeiten in beengten Situationen zu zeigen. Es ging richtig hart zur Sache mit Würge-Angriffen. Da mussten wir erst einmal den Kopf einziehen, um uns zu schützen. Ein Griff in die eigenen Haare diente zum Schutz des Gesichtes und ein Tritt auf den Fuß oder zum Schienbein des Angreifers zur Erlangung von Freiraum. Die Abwehrmöglichkeiten wurden auf der Matte eingeübt. Sie waren viel kürzer und direkter als beim Aikido. Auch beim Angreifen mussten Hemmungen überwunden werden. Tai-Kit ließ auch die Nervenpunkte nicht aus. Hier galt es, mit dem Daumen die richtigen Stellen zu finden. In der zweiten Hälfte des Unterrichtes übten wir die Techniken an der Wand und zwar ohne Rückzugsmöglichkeit. Der Einsatz der Hüfte war zur Befreiung sehr wichtig, ebenso der Schutz des Gesichtes mit angewinkelten Armen. Dieser Schutz war wieder Bestandteil zur Erlangung von Freiraum. Wir hätten alle nicht gedacht, dass es noch so viele Möglichkeiten zur Selbstverteidigung in solch beengten, bedrohlichen Situationen gibt.

Zum Abschluss der Selbstverteidigung mit Jiu-Jitsu gab uns Sai-Kit noch den Rat mit, den Gegner beim ersten Kontakt zu verwirren, indem man ihm einen Gegenstand zuwirft mit den Worten „fang“ und dann wegzulaufen. Eine andere Möglichkeit demonstrierte er mit einer Hand voll „Münzen“, die er spontan wegwarf. Die beste Option, sich zu verteidigen, besteht natürlich darin, sich gar nicht erst auf einen Streit einzulassen und wegzugehen.

Nach einer kurzen Stärkung mit Äpfeln und Getränken ging es weiter mit der letzten Einheit. Meister Hans Carstens, der Gastgeber des Aikido-Vereins Bad Segeberg, vermittelt das Thema Anspannung und Aufmerksamkeit. Er vermittelte dieses Thema über die Handhabung des Stabes. Er ging auch auf die aufrechte Haltung im Zusammenhang mit Aufmerksamkeit ein und versprach den Kindern, dass sie im Schulunterricht mindestens eine Note besser beurteilt werden würden bei Beachtung der aufrechten Sitzposition, die zudem eine bessere Durchblutung des Gehirns zur Folge habe.

Beim Thema Stab zeigte sich, dass besonders hohe Konzentration und Koordination erforderlich waren. Die Fortgeschrittenen hatten natürlich einen Vorteil, die Anfänger mussten erst mal Hände und Füße und Rechts und Links sortieren. Die anwesenden Meister halfen den Teilnehmenden dabei. Der Unterricht führte dazu, dass sogar einige Bewegungsabfolgen verinnerlicht wurden, die zu einer Stock-Kata führen. Hier beschäftigt man sich selbst mit dem Stock und einem imaginären Partner. Hans machte die Kinder und Jugendlichen darauf aufmerksam, dass sie das Glück hätten, noch sehr jung zu sein und deshalb noch viel Zeit hätten zu üben.

Zum Abschluss zeigte uns Hans Carstens noch eine Kostprobe seines Könnens. André Lienshöft war als Uke ganz stark gefordert. Hier konnte man erahnen, welchen großen Anteil das Aikido im Leben haben kann. Schöne runde Verteidigungsformen mit dem Stab brachten den Uke immer wieder zu Fall.

Mir hat der Lehrgang sehr viel Spaß bereitet und ich denke, den Teilnehmenden ebenso. Die jungen Aikidoka waren mit Eifer dabei. Für nicht wenige war dies der erste Lehrgang.

Lilo Schümann
Jugendleiterin des AVSH