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Kinder- und Jugendlehrgang in Bordesholm


Am 3. März hatte der Aikido-Verein Wattenbek wie jedes Jahr im Frühling zum Lehrgang für Kinder und Jugendliche aufgerufen, wobei Erwachsene genauso willkommen waren. Der eigene Verein war fast vollständig vertreten, aus dem restlichen Schleswig-Holstein kamen immerhin 10 Personen. Pünktlich um 11 Uhr begann die Begrüßung durch die beiden Trainer Pieter Genzow (3. Dan) und Sven Hüser (l. Dan), welche sich in den kommenden Stunden gerecht die Leitung des Lehrganges und das Vorführen der Techniken teilten.

Zum Aufwärmen wurden 3 Gruppen gebildet, welche in kleinen Spielen gegeneinander antraten. Spielerisch war auch das anschließende Sabaki, um zum Hauptthema des Lehrganges "Ushiro" überzuleiten. Danach wurden die einzelnen Techniken bis zum 4. Kyu hauptsächlich aus Ushiro-ryote-tori geübt. Die beiden Trainer nahmen sich genug Zeit, um bei jedem Aikidoka zu gucken und gegebenenfalls nachzuhelfen. Es wurde auch darauf geachtet, dass sich jeder immer wieder neue Trainingspartner nimmt, denn dann lernt man, seine eigene Führung und Haltung anzupassen und zu verbessern. Nach ánderthalb Stunden wurde es Zeit für eine Stärkung in der Mensa mit Gulasch und Nudeln.

Das Thema der 2. Einheit war "Judo". Hierbei waren viele schon sehr gespannt, was diese Sportart von unserer unterscheidet. Zum einen ist Judo ein Kampfsport, bei dem man Wettbewerbe gewinnen kann, Aikido eine Kampfkunst nur zur Selbstverteidigung. Geübt wurden die Bodenfesthaltetechniken, welche in einem Wettkampf vorkommen können. Zuerst hat sich Uke einfach auf den Bauch gelegt oder zusammen gekauert und Nage hat versucht ihn umzudrehen, wobei es jeder erstmal für sich ausprobiert hat, danach wurde die Technik gezeigt und wiederholt. Nach und nach entstand daraus die Technik Kami shiho gatame. Danach wurde aus der Rückenlage von Uke Kesa gatame geübt und dieser sollte versuchen sich zu befreien. Einigen gelang dies schon recht gut und nach ein paar gezeigten Tipps konnte jeder sich befreien. Nun war der Ehrgeiz von Nage geweckt und jedes Trainingspaar rang fleißig miteinander um die Beherrschung von Festhalte und Befreiung.

Allen machte dies großen Spaß, seine eigenen Grenzen auszutesten und einige wunderten sich bestimmt über sich selbst, wie sie darüber hinaus gegangen sind. Denn im Gegensatz zum Aikido liegt Uke auf dem Rücken und kann anders mit seinem Nage agieren. Kurz wurden auch noch die Techniken Yoko shiho gatame und Hara gatame ude garami gezeigt und geübt, jeweils als Festhaltender und als Befreiender. Während sich alle daraufhin erholten und ihre Kleidung wieder sortierten, zeigte und erklärte Pieter Genzow den großen Unterschied beider Sportarten: die Festhaltetechniken im Judo lassen dem Gegner Spielraum für Gegentechniken, z.B. freie Arme. Auch ist man mit vollem Körpereinsatz dabei, um einen Einzelnen am Boden zu halten, bis der Wettkampf nach bestimmter Zeit beendet wird. Zur Selbstverteidigung können diese Punkte von Nachteil sein und Aikido bietet sich dort besser an: der Angreifer liegt mit dem Bauch auf dem Boden und kann seine freie Hand nicht unmittelbar gegen den Verteidiger einsetzen; man erreicht mit geringstmöglichen Körpereinsatz den größten Nutzen, was vor allem für kleinere/leichtere Verteidiger gut ist und man kann die Umgebung im Blick behalten statt sich nur auf eine Person zu konzentrieren.

Danach gab es eine kleine Pause, bevor es in der 3. Einheit nach erneuter Erwärmung wieder um Angriffe von hinten ging. Die geübten Techniken waren wieder bis zum 4. Kyu gehend, allerdings variierte nun der Ushiro-Angriff. Durch aufmunternde Zurufe holten die beiden Trainer nochmal alles an Motivation aus den Teilnehmern, trotz Erschöpfung. Nach dem Abgrüßen und gemeinsamen Mattenabbau konnte endlich der bereitgestellte Kuchen vernascht und sich über den Lehrgang unterhalten werden. Vielleicht hat jeder für sich etwas Neues und Brauchbares auf seinem Weg des Aikido mitgenommen.

Madleen Genzow
Aikido-Verein Wattenbek

Bundeslehrgang in Malente


Mit Personen platzte die Matte im Sport- und Bildungszentrum Malente in S-H aus allen Nähten. Glücklich war, wer einen der begehrten Plätze für den Bundeslehrgang mit dem Bundestrainer Hubert Luhmann ergattert hatte. Dieses Jahr konnte Hubert denn auch wirklich kommen und musste nicht kurzfristig einen Polizeieinsatz leiten. Die Anreise klappte auch bei allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen, was im Januar nicht selbstverständlich ist. Tief Friederike, das am Tag zuvor noch das halbe Land lahmgelegt hatte, hatte sich verzogen.

Sportlich ging es dan gleich bei uns zu: 9 Stunden Aikidotraining standen auf dem Programm: In fünf Trainingseinheiten erwarteten uns u.a. Schwert und Verkettungen. Und Hubert ließ sich nicht lumpen. Gut verständlich und einprägsam erklärte und zeigte er die Grundlagen der Schwertarbeit, beginnend beim richtigen Fassen des Bokken, Ausholen, Schlag, Haltung: Alles, was man so braucht – nicht nur für bella figura. In verschiedenen Partnerübungen übten wir, zunächst die Mitte zu besetzen -wie man es auch im Kendo praktiziert- und dann anhand des Zielens auf verschiedene Trefferflächen, den richtigen Abstand zu finden. Nachdem wir uns mit dem Bokken angefreundet hatten, zeigte er u.a. zwei schöne Kokyu-nages, die wir fleißig übten.

Der Samstag war ebenso vollgepackt mit schönen Techniken. Am Morgen wollten wir uns mit den ersten Verkettungen beschäftigen. Hier gilt es immer, sich zu sensibilisieren für die schwachen Punkte in der Ausführung des Uke bzw. des Nages, je nach Rollenverteilung. Dieses Prüfungsfach setzt eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Funktion der einzelnen Elemente und ihrer Anordnung in der Technik voraus, kein Wunder also, dass es bei uns erst auf den 4. Dan geprüft wird.

Meiner Ansicht nach besteht bei den Verkettungen immer die Gefahr, dass es zu Knoten im Hirn kommt. Zwar machten wir zwischendrin mit einer Nachmittagseinheit Messer mal Pause vom Verketten, aber am Abend verzweifelte so mancher, weil er/sie durcheinander kam: Wer muss jetzt was machen? Gleiche Rolle, wechselnde Rolle? Das war sehr lustig.

Hubert erklärte stets präzise, verständlich und nachvollziehbar die Funktionsweisen der einzelnen Techniken. Besonderen Wert legte er darauf, die komplette Angriffssituation im Blick zu haben und den/die Uke wirklich in einem sicheren Endhebel zu fixieren, so dass nichts mehr passieren kann und man ggf. Hilfe rufen kann.

Am Sonntag machten wir in unserer letzten Einheit noch einmal Waffe gegen Waffe. Wir übten z.B. die Abwehr von Shomen-uchi mit dem Bokken mittels Stab, Schwert, Messer und Tegatana. Ma Ai und Zentrumseinsatz sind hier unerlässlich, um Uke aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Sehr gut gefallen hat mir, dass Hubert die Themen der Einheiten stets so wählte, dass es sehr abwechslungsreich war und man nach Phasen des intensiven Rollens dann mit Grundübungen zu den Waffen in den Stand zurückkehren konnte.

Ich habe viel gelernt, viel Spaß gehabt, habe abends munter geplauscht und mich weder an Grippe angesteckt noch verletzt. Ein gelungener Lehrgang.

Vielen Dank an Hubert für das schöne Training und an Ulrich für die Organisation.

Frauke Drewitz
Sachbearbeiterin Öffentlichkeitsarbeit des AVSH

Fotos: Ulrich Schümann

Neujahrslehrgang mit Patrick David


Am ersten Wochenende des neuen Jahres begrüßte die Kaltenkirchener Turnerschaft Patrick David (3. Dan Aikido) aus Ingolstadt zu einem Wochenend-Seminar.

Auch, wenn jemand sagte, dass er nicht mehr zu den gaannnz Jungen gehörte, so hinterließ Patrick doch einen anderen Eindruck: Aufwärmen mit ihm ähnelte einem riesigen Gewühle auf dem Pausenhof in der Schule. Was mit einem einfachen Durcheinanderlaufen begann, steigerte sich in schnell wechselnde Übungen mit einem Entgegenkommenden. Begeistert klatschten wir mit Hand und Fuß ab, hüpften wie bewegliche Wiesel (ja, wirklich alle!) auf der knapp 260 m2 großen Mattenfläche, lachten, kicherten, fielen hin und standen immer wieder auf. Damit jedem der 50 Teilnehmer ohne Ausnahme der Schweiß auf der Stirn stand, wurden zwei Aikidoka als Jäger benannt, die jeweils einen anderen „einfingen“, einhakten und sich mit viel Spaß neue „Opfer“ suchten. Unschwer lässt sich an dieser Stelle bereits erahnen, dass Patrick als Trainer oft mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat.

Mit kleinen Übungsausschnitten begann Patrick die Teilnehmer an sein Thema heranzuführen: Nicht jede Technik kann mit jedem Angreifer auf die identische Art und Weise ausgeführt werden. Es gibt bewegliche Uke, die gleich Wasser in jeder Lage sich perfekt führen lassen und andere, die an einen Felsblock erinnern. Insofern kann niemals von der richtigen Technik gesprochen werden. Es gibt immer eine Bandbreite, in der sich Nage je nach Situation bewegen sollte. Es ist immer ein Abwägen!

Von Anfang an achtete Patrick darauf, die Fußbewegung klar zu benennen, um die Technik mit den Händen zu erleichtern; es gab klare Vorgaben mit klaren Ausführungen; nichtsdestotrotz manchmal schwierig in der Umsetzung. Wenn der Blickwinkel verändert wird, dann wandelt sich eine vermeintlich „simple“ Übung in eine Kopfknobelei. Diese kleine Veränderung zwang so manchen, das an sich gewohnte Ausüben eines Ude-Osae dann doch wieder einmal ruhig und bedächtig durchzuführen, auch wenn viele Jahre Trainingserfahrung den Körper konditioniert hatte.

Interessant ist dann das Hervorheben der unterschiedlichen Stile zwischen den Teilnehmern, die alle auf ihre Art richtig sind, doch ihre Vor- und Nachteile besitzen, je nachdem mit welchem Partner oder Impuls gearbeitet werden darf. Patrick führte die zwei Extreme zusammen, verband sie und stellte einen neuen Aspekt in den Vordergrund:

Ude-Osae lässt sich einerseits mit einer sehr eleganten Aufnahme des entgegengebrachten Impulses ausführen, als begleite Nage seinen Uke zur Tanzfläche. Andererseits kann mit dem Heben des greifenden Armes vor dem Zentrum das Gleichgewicht des Uke sofort gebrochen werden. Wie leicht glauben wir daran, dass es immer den einen richtigen Weg gibt, nur weil er unserer Überzeugung entspricht! Wie bereichernd ist dann die Auffassung junger Generationen, die sich die Gegensätze anschauen, diese zusammenführen und etwas Neues erwachsen lassen!

Patrick übernahm den Beginn der eleganten Version, führte Uke mit seinem Impuls knapp an sich vorbei, drehte diesen mit dem Arm wieder zu sich, so dass Uke ein Bein heben musste, um sein Gleichgewicht wieder herstellen zu können; an diesem Punkt greift dann wieder die direkte Form. Im Grunde ist es simpel, doch bedarf einiger Übung.

So fanden sich während des Trainings immer wieder neue Aspekte für alte Formen, die Patrick mit viel Energie und bildhafter Sprache verdeutlichte: Eine Handhaltung wurde dadurch zur „Sprechpuppe“ oder gar zur „WC-Ente“. Schritte pointierte er mit Hüpfern oder schnellen Drehungen um Uke herum, damit bei der Hand-Fuß-Koordination eine leichtere Erinnerung und Umsetzung stattfinden konnte.

Die Zeit verging durch das energievolle Treiben wie im Fluge und hinterließ durchweg das gute Gefühl, eine Menge neues Wissen mit viel Spaß beigebracht bekommen zu haben. Das ist doch ein guter Start ins neue Aikido-Jahr, oder?

Die Kaltenkirchener Turnerschaft bedankt sich bei Patrick für diesen schönen „Neujahrs-Lehrgang“ und freut sich auf ein Wiedersehn! Bis bald auf der Matte!

Christine Behrens
Kaltenkirchener Turnerschaft

Jorma Lyly in Schleswig-Holstein


Mitten im ungemütlichen November (18./19.11.2017) besuchte Jorma Lyly (6. Dan) aus Stockholm, Schweden, die Kaltenkirchener Turnerschaft für ein Wochenend-Seminar. Eine wunderbare Mischung aus Bokken-Arbeit und einem weichen Aikido füllte die gemeinsame Zeit auf der 260 m² großen Mattenfläche.

Jeder Lehrer besitzt seine eigene Art, seinen eigenen Stil, der bei Jorma gleich zu Beginn deutlich wurde. Wir bewegten uns mit viel Energie, mit Schwung und Elan, doch es gab kein krampfhaftes Ausprobieren, kein unbedingtes Bemühen-Müssen oder Verzweifeln über das eigene Nicht-Gelingen. Jorma strahlte eine innere Ruhe und Gelassenheit aus, die sich unweigerlich auf jeden Mittrainierenden übertrug. Sein stilles Vergnügen an neuen Herausforderungen, die ihm auch durch Anfänger immer wieder gestellt wurden, quittierte er mit einem Lächeln oder einer trockenen Bemerkung, die er in seinem unvergleichlichen Englisch-Deutsch-Mix begleitete. Seine Übungen besaßen nicht immer einen offiziellen Namen, den der Trainierende in einem Verzeichnis wiederfinden könnte. Oftmals stand die Vermittlung eines Gefühls, eines sich in eine Bewegung Hineinfühlen-Könnens, die einem Betrachter das Formschöne in der Kampfkunst augenscheinlich werden ließen, im Vordergrund: Hände, die mit ihren Fingerspitzen das Ende des Zentrums markierten, Drehungen mit der Hüfte, die dem Nachdruck verliehen oder auch das Fortführen und Aufzeigen des zwingenden Charakters einer Bewegung. 

Am Ende jeder Übung stand das intuitive Erfassen und Verinnerlichen mit dem Körper. Obwohl der große Raum seinen Turnhallen-Charakter nicht verstecken konnte, entstanden immer wieder fast familiäre Momente des Aufnehmens. Jorma kniete oder stand in der Mitte und die über 50 Mittrainierenden saßen beobachtend um ihn herum. Es gab kein vorn und hinten, es gab nur ein gemeinsames Sich-um-den-Mittelpunkt-scharen. Er nahm sich die Zeit alle mit in diesen Moment einzubinden! Mit einem belustigten Gesichtsausdruck und einem Fingerzeig holte er selbst die hinter anderen Versteckten hervor, um ihnen das Gefühl der Übung vermitteln zu können - aus tiefster Überzeugung, dass das Fühlen vor dem Lernen erfolgen müsse. Mit einer fast unermüdlichen Energie wiederholte er bei jedem Einzelnen die Abfolgen. Es ist ein Unterschied, ob ich als sein Nage die Weichheit der Ausführung und das Fallenlassen in das eigene Zentrum kennen gelernt habe oder nicht. Es ist zudem ein Unterschied, ob meine angespannt hochgezogenen Schultern etwas ausführen wollen oder ob die Bewegung ohne Anstrengung aus dem Zentrum erfolgt! Genau diese Unterschiede ermöglichten das wirkliche Erfassen und das Erinnern.

Jorma erklärte, dass die Hände die natürliche Bewegung begleiten und im Grunde überhaupt nicht selbst agieren würden. Im ersten Moment ist dies für den rational Denkenden ein schwer zu verstehender Hinweis. Um etwas zu begleiten, benötige ich das „Sehen“ eines Weges, der mir die Richtung weist. Wohin soll mich also Jormas Hinweis führen? Im übertragenden Sinne nimmt mich dann das Erfühlen an die Hand und lässt überhaupt keine Zweifel zu. Deshalb ging Jorma mit seiner ihm eigenen Ruhe durch die Probierenden, um ihnen diesen Weg zu zeigen, den sie eigentlich schon von ganz allein kannten.

Dies waren zwei wunderbare Tage voller Trainieren, Rollen, Lachen und einem immer wieder In-sich-horchen, um den eigentlich schon hell erleuchteten Weg im Inneren einer Bewegung zu sehen. Es war ein Vergnügen diese Tage mit Jorma verbringen zu dürfen! Wir freuen uns jetzt schon auf ein erneutes Zusammentreffen hier in Kaltenkirchen! Wir sehen uns auf der Matte! 

Christine Behrens
Kaltenkirchener Turnerschaft