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Samurai Camp 2017


In diesem Jahr wurde der Start des Zeltlagers von Hoffen und Bangen begleitet. Würde das Wetter in den nächsten sechs Tagen besser werden oder weiterhin so unberechenbar bleiben wie in der Zeit davor? 21 Vereine aus ganz Deutschland mit insgesamt 76 Aikidoka waren im Camp vertreten. 28 Aikidoka zählte die Altersgruppe 9 – 13 Jahre, 29 die Altersgruppe 14 – 16 Jahre und 11 Aikidoka 17 – 18 Jahre (2 Teilnehmer und 7 Teamer/-innen jenseits dieser Grenzen, wobei eine Betreuerin im Kreis der 18-Jährigen enthalten ist.

Die Teilnehmenden kamen aus Nordrhein-Westfalen (9), aus Hessen (10), aus Niedersachsen (9), aus Hamburg (8), aus Sachsen (4), aus Mecklenburg-Vorpommern (3), aus Baden-Württemberg (1) und 32 aus Schleswig-Holstein. Der Verein aus Hohenwestedt stellte einmal wieder von der Vereinsstärke her den größten Verein, nämlich 12 Aikidoka. 34 weibliche standen 43 männlichen Aikidoka gegenüber. Insgesamt wurden 11 Zelte belegt, zwei von den Teamern und neun von den Teilnehmenden. Ein weiteres Zelt wurde für allgemeine Vorbereitungen sowie für das Werwolf-Spiel bereitgehalten. Zeitweise konnten die Pavillons, in denen gegessen, aber auch das Bergfest gefeiert wird, genutzt werden.

Nach Ankunft in Scharbeutz am Freitag, dem 28. Juli 2017, Mittagessen und Einweisung ins Camp, ging es erst einmal an den Strand. Nach dem Motto "kein Regen ist Sonne genug" genossen die Kinder und Jugendlichen Strand, Sand und Ostsee. Und tatsächlich zogen die ganz dunklen Wolken nördlich und südlich an uns vorbei. Das Camp war damit offiziell eröffnet. Natürlich ist das Samurai Camp ein Aikido- bzw. Sport-Camp. Deshalb wurden sechs anspruchsvolle, aber hochinteressante Trainingseinheiten mit einer unterschiedlichen Anzahl an Stationen durchgeführt. Dabei wurden auch Techniken gezeigt und geübt, die nicht zum Standard-Aikido gehören. Diese Abwechslung wurde von den Aikidoka begeistert aufgenommen. Natürlich gab es auch Zeit zur freien Verfügung, um eigene Interessen ausleben zu können, Kontakte zu anderen Teilnehmern aufzubauen oder zu vertiefen und auch, um Spiele selbstständig anzuleiten und zu spielen.

Zusätzlich gab es jedoch eine ganze Reihe von Workshops, u. a. Schminken, innere Motivation, Schlagfertigkeit, gesunde Ernährung, Tugenden der Samurai, Origami, Kalligraphie, Yoga, Tischtennis, Stock-Kampf, Gurt oder Knoten binden, Gipsmasken anfertigen, Slacklining, Ballspiele und Schach.

Die obligatorische Camp-Olympiade durfte natürlich auch nicht fehlen. Das jeweils älteste Jungen- und Mädchenzelt baute neun Stationen auf und führte die Disziplinen durch. Sieben Teilnehmerzelte waren hoch motiviert und kämpften voller Eifer um jede Disziplin und um den Gesamtsieg. Das älteste teilnehmende Jungenzelt hatte sich, wider Erwarten, auf einen Sieg eingestimmt. Es kämpfte verbissen um jeden Zentimeter, Liter, Ball oder Durchgang. Tatsächlich konnte es schließlich den Gesamtsieg für sich verbuchen, dicht gefolgt vom zweitjüngsten Mädchenzelt, für das auch einige Wattenbekerinnen gekämpft hatten. Und da wir endlich mal richtig Sonne hatten, blieben wir gleich unten am Strand, so dass alle zu Gewinnern wurden.

Der letzte und größte Höhepunkt war wie immer der Hansa-Park. Eine kurze Anfahrt mit dem Bus, und der Spaß konnte beginnen. Ob Kettenkarussell, Wasserrutsche, Fluch von Novgorod, der Schwur des Kärnan, Hai oder Barracuda Slide oder Blumenmeer-Bootsfahrt, alle konnten etwas finden, das ihnen Spaß machte. Dass sich eine halbe Stunde vor Ende der Regen wieder in Erinnerung brachte, konnte die Freude auch nicht mehr trüben. Wer gerüstet war für den Super Splash, dem konnte ein bisschen Regen nichts anhaben. Wie im Fluge war die Zeit schon wieder um.

Im Anschluss an den Hansapark gab es noch einmal das geliebte Grillen, wobei anfangs noch überhaupt nicht klar war, ob es trocken bleiben würde. Jedoch war uns der Wettergott einmal wieder gnädig. Am späteren Abend wurde noch einmal kräftig getanzt, um so auch das diesjährige Camp würdig zum Abschluss zu bringen.

Am nächsten Morgen hieß es Packen, Zelte in Ordnung bringen, Geschirr und Besteck zählen und Abreise. Das große Verabschieden begann, immer in der Hoffnung, sich im nächsten Jahr an gleicher Stelle wiederzusehen oder (im elektronischen Zeitalter) den Kontakt aufrecht halten zu können. Vielen Dank an alle Teilnehmer/-innen und Teamer für ein tolles Samurai Camp 2017. Es hat – auch nach 15 Jahren – wieder Spaß gemacht.

Lilo Schümann
Jugendleiterin des AVSH

Aikido und Stand Up Paddling in der Ostsee


Kinder- und Jugendlehrgang des AVSH am 17./18. Juni 2017 in Scharbeutz

Am Morgen des 17. Juni 2017 war es für uns dann so weit: Kinder und Jugendliche aus ganz Schleswig-Holstein versammelten sich in Scharbeutz, um gemeinsam die Bedeutung des Gleichgewichts im Aikido zu entdecken.

Kurz nach unserer Ankunft begann dann auch schon die erste Trainingseinheit unter der Anleitung von André Lienshöft (2. Dan) mit einigen Spielen zum Aufwärmen und Kennenlernen. Nachdem dann alle aufgewärmt waren, wurde geprüft, wo der Partner sicher stand und wo er seine Schwachstellen hatte, um danach mit dieser Erfahrung die Techniken zu üben.

Kurz nach unserem Mittagessen wanderten wir zum Strand, wo wir uns mit Beachvolleyball und Stand Up Paddling beschäftigten. Hier handelt es sich um eine Wassersportart, bei der ein Sportler aufrecht auf einer Art Surfbrett steht und sich auf dem Wasser mit einem Stechpaddel vorwärtsbewegt. Unter der Aufsicht von Ronny vom Surf-Center Lübeck, der uns erklärte, worauf wir zu achten hatten, wurden von der Hälfte der Gruppe die Surfbretter ins Meer gezogen und erklommen, während die andere Hälfte, angeleitet von Detlef, Beachvolleyball spielte. Nach einiger Zeit wurde gewechselt.

Beim Stand Up Paddling gab es so einige Schwierigkeiten, zum Beispiel mit dem Gleichgewicht, dem Wind, der uns raus aufs Meer trieb, oder aber mit dem 16 Grad kalten Wasser. Beim Beachvolleyball dagegen lag die Schwierigkeit eher bei der Entscheidung, wer aus dem Team den Ball annehmen sollte…

Vom Wasser erfrischt ging es zurück zur Jugendherberge, wo es Abendessen gab und die nächste Aikido-Einheit, diesmal geleitet von Detlef Kirchhof (2. Dan), auf uns wartete. Wir begannen wieder mit einem Spiel, auf das die Fallschule folgte. Erneut aufgewärmt widmeten wir uns weiteren Techniken, mit deren Hilfe wir den jeweils anderen aus dem Gleichgewicht bringen konnten. Müde von der vielen Bewegung, der frischen Luft und vielen neuen Erfahrungen endete für uns dieser Tag.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen wurden erneut die Gürtel gebunden, um zum letzten Training auf der Matte zu erscheinen. Lilo Schümann (3. Dan) ließ uns das Ausweichen üben und ergänzte mit ihren Techniken die Trainingseinheiten der beiden anderen Trainer. Nach dem Training durfte jeder erzählen, was er von diesem Lehrgang mitgenommen hat. Ein letztes Mal verbeugten wir uns, schulterten unser Gepäck und machten uns mit vielen neuen Eindrücken auf den Weg nach Hause.

Jessica Neuschl, 3. Kyu
Rendsburger TSV

Kontakte knüpfen


Landeslehrgang in Malente mit Ulrike Serak, 6. Dan Aikido (Aikido-Föderation Deutschland)

Eine volle Matte und ein überbuchter Lehrgang: Meisterin Ulrike Serak aus Berlin war bei uns wirklich ein „Publikumsmagnet“. Aufgrund persönlicher Kontakte war es uns gelungen, sie in den hohen Norden zu einem AVSH-Lehrgang ins SBZ Malente zu „locken“. Der Ort war ihr nicht fremd, hatte sie doch selbst hier schon einmal an einem Lehrgang teilgenommen. Das „Publikum“ kannte sie nicht - oder sagen wir überwiegend nicht. Schließlich waren insgesamt von den 32 Aikidoka, die zugelassen werden konnten, sechs weitere mit aus Ulrikes „Berliner Schule“ angereist, u.a. auch Max Eriksson Ohlwein, 5. Dan Aikikai und Ulrikes Dojopartner. Meinen Mann und mich kennt sie, da wir regelmäßig bei ihr in Berlin ins Dojo zum Training kommen.

Der Norden zeigte sich mit bestem Wetter und hochmotivierten und neugierigen Aikidoka von seiner besten Seite. Nachdem alle ihr Zimmer bezogen hatten - oft in ungewohnter Konstellation, da es fast nur Vierbettzimmer gab - fanden wir uns dann zur Nachmittagseinheit auf der Matte wieder.

Ulrikes „Aufwärmprogramm“ unterscheidet sich deutlich von der bei uns im DAB praktizierten Aufwärmgymnastik und wird so oder ähnlich in der ganzen AFD (Aikido Föderation Deutschland, die Christian Tissier als Shihan hat) praktiziert. Neben dem festen Ablauf an Dehnung, Kräftigung und Mobilisierung der Gelenke spielt auch die Stimulierung des Ki-Flusses eine große Rolle. Die Übungen sind schon für sich genommen sehr wohltuend.

Weiter ging es dann gleich mit einem der zentralen Aspekte von Ulrikes Aikido: Kontakt.

Die Partner standen mit den Schwerthänden aneinander und führten den anderen jeweils abwechselnd auf der Linien und in die Drehung. Hieraus entwickelte Ulrike dann den ersten Bodenhebel (Ikkyo) in einer für uns recht speziellen Form: Uke wird hinuntergeführt, dann lässt man ihn oder sie hochkommen, indem man die Linie verlässt. Dann wird der Ellenbogen der Kontaktpunkt und Nages zweite Hand wird frei. Uke merkt, dass diese gefährlich werden könnte, beugt den Arm, um sich zu schützen und schon ist der geknickte Arm da, den wir brauchen, um die Technik sinnvoll vor dem Zentrum geführt zu beenden.

Sinnvolle Bewegungen ist auch so ein Stichwort. Dazu gehört, die eigenen Schwerthände vor der Körpermitte zu lassen und nie gegen den Kontaktpunkt zu drücken oder an Uke zu zerren. Schwerthände bzw. Schwerter, die sich berühren, kleben quasi aneinander.Wenn wir Uke drücken oder ziehen, übermitteln wir außerdem viel zu viele Informationen und er/ sie kann sich einstellen auf das, was man machen möchte. Gar nicht gut. Also scheinbar absichtslos führen.

Aus dem Angriff Shomen-uchi übten wir vor dem Abendessen verschiedene Wurfechniken wie z.B. Irmi-nage und Sumi-otoshi.

Auch beim Abendtraining ging es um das Thema Kontakt. Uke und Nage müssen die ganze Zeit während der Technik Kontakt halten, damit eine freie Hand nicht irgendetwas Unkontrolliertes zum Kontern machen kann.

Die Gleichgewichtsbrechung übten wir dann bei Kaiten-nage-uchi und -soto und einer interessanten Form des Kokyu-nage, wo man nach einem Hanmi-Wechsel über die Verbindung der Arme mit lockerer Hand Uke über seine Achse wirft. Dabei konnte man einen Energiekreis spüren, der sich bei richtiger Stellung und Ausführung zwischen Uke und Nage bildete. Sehr spannend.

Am Abend nutzen wir dann die Gunst der Stunde, um im Flensburger Salon ein Schwätzchen zu halten oder, wie wir bei uns im Norden sagen, Einen auszuschnacken. Auch das gehört zum Kennen lernen dazu und macht viel Spaß.

Am Sonntag machte Max eine Stunde Kenjutsu mit uns und vermittelt uns einige Grundlagen der Arbeit mit dem Schwert. Im Berliner Dojo ist das auch sein Arbeitsbereich. Neben dem „normalen“ Training gibt er den Unterricht in Kenjutsu. Einige Grundlagen erklärte er uns sehr anschaulich:

Ziel der Arbeit mit dem Ken ist, dass das Schwert ein Teil des Körpers wird. Die Arme müssen sehr entspannt sein, damit das Schwert durch sein Eigengewicht fällt. Für den Angriff Shomen-uchi gilt: Ausholen hoch in die Luft und nicht zu weit nach hinten, dann das Schwert mit einem Schritt nach vorne fallen lassen. Die Kunst ist nun, dass die Muskeln den Fall des Schwertes nicht behindern, sondern unterstützen. Das braucht viel Übezeit. Schließlich ist Timing gefragt. Schnitt und Fuß müssen nämlich zusammen ankommen. Wir übten dann die recht bekannte Übung der vier Richtungen und dann der acht Richtungen.

Um die Kontrolle und den Abstand zu üben, machten wir eine Partnerübung: Uke schützt sich mit seinem Schwert quer vor dem Kopf, Nage soll treffen und seine Energie fließen lassen.

Den Abschluss der Sequenz bildete eine Abwehr. Es galt Shomen-uchi abzuwehren, indem das eigene Schwert von unten kommt, das angreifende Schwert beiseite schlägt, aber die Bewegung nach oben fortsetzt. Das kann man dann auch unendlich im Wechsel machen.

Im zweiten Abschnitt des Trainings ging Ulrike u.a auf die Sauberkeit des Angriffs ein. Nur ein gut und vor allem sinnvoll ausgeführter Angriff ermöglicht die Ausführung einer bestimmten Technik.

An Shomen-uchi und Yokomen-uchi bearbeiteten wir dies Thema nun genauer. Ulrike empfiehlt bei beiden Angriffen vorne auszuholen. Erst im Moment, wo sich die Hand wieder zum Schlag senkt, wird der Unterschied deutlich: Bei Yokomen-uchi geht der Schnitt dann quer durch das Gesicht.

Aufpassen muss man auch, dass beim Ausholen die Hand immer im eigenen Aktionsbereich bleibt und man nicht zu weit von hinten ausholt. Orientierungslinie ist das Halten eines Schwertes, also sollte man knapp und vor dem eigenen Körper ausholen. Diese Prinzipien übten wir anhand der Techniken Kokyu-nage, Sumi-otoshi, Shiho-nage, Kote-gaeshi, Kaiten-nage und Ikkyo.

Ulrike betonte immer wieder, dass es wichtig sei zu wissen, wo die Füße stehen. Klarheit der Angriffspositionen und der Hanmi-Positionen insgesamt ist gefragt. In der AFD gehen der Angriff Shomen-uchi und Yokomen-uchi in der Basisform immer von hinterem Fuß/ Hand aus, die mit Schritt nach vorne kommen. Für diese wichtige Basisarbeit muss man viel Zeit aufwenden.

Interessant fand ich auch ihre abschließenden Ausführungen über die drei Phasen des Übens.

Die erste Phase des Übens ist die, wo man aufnimmt, was der Lehrer oder die Lehrerin sagt. Man kopiert und es findet noch keine kritische Auseinandersetzung statt.

Die zweite Phase beinhaltet die kritische Auseinandersetzung mit der Technik zum Finden des eigenen Standpunktes: Man probiert verschiedene Dinge aus, dies aber immer in Respekt mit dem eigenen Ursprung

In der dritten Stufe, die kaum jemand erreicht, vergisst man die Form, man löst sich davon. Dies ist die Stufe der wirklichen Meisterschaft. Diese Stufe erreicht man, wenn überhaupt, nur nachdem man die vorherigen durchlaufen hat. Ulrike nutzte den Vergleich mit Malern, die abstrakt malen und die Form vergessen haben. Sie beherrschen aber alle gegenständlichen Techniken perfekt. Es geht aber hier um den Schritt weiter darüber hinaus.

Im Aikido sind die Übungsformen gemacht, um Prinzipien zu üben: Stand, Abstand, Kontakt. Wir treffen im Training immer Absprachen, um bestimmte Sachen zu üben. So muss man dann, wenn Nage ausgewichen ist, akzeptieren, dass der eigene Angriff ins Leere ging, nicht erfolgreich war. Man sollte sich dann entspannen, um frei zu sein für Neues, was daraus entsteht und nicht verkrampfen und in den Kampfmodus verfallen. Das bringt nichts. Die Dinge entstehen logisch aus dem Kontakt zwischen Uke und Nage, d.h. aus der Begegnung zweier Menschen.

Um Begegnung von Menschen zweier Verbände mit unterschiedlicher Etikette und stilistischer Ausprägung ging es auch auf diesem Lehrgang. Das ist uns richtig gut gelungen. Alles fügte sich harmonisch auf und neben der Matte, bei allen Unterschiedlichkeiten. Für viele von uns war vieles neu und muss erst mal sacken. Aber jeder konnte von Ulrikes und Max' Training profitieren, jeder hat etwas mitgenommen.

Dass so viele Aikidoka und auch überdurchschnittlich viele Frauen und Mädchen diesmal den Weg nach Malente gefunden haben, zeigt, dass es nicht egal ist, wer als Lehrer oder Lehrerin vorne steht.

Mit Ulrike und Max hatten wir wirklich zwei hochkarätige Meister zu Gast. Vielleicht sieht man sich ja im Norden oder in Berlin mal wieder. Ulrike hat schließlich alle Teilnehmer eingeladen, mal bei ihnen im Dojo vorbeizukommen.

Frauke Drewitz
Sachbearbeiterin Öffentlichkeitsarbeit des AVSH

Fotos: Ulrich Schümann

Trainer C Fachlizenz Verlängerung Malente Nov 2016


Der AVSH hat es so eingerichtet, dass wir alle 4 Jahre in Malente unsere Trainer Lizenz verlängern können. Diesmal kamen 20 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen, überwiegend aus dem Norden. Ulrich, immer auf der Suche nach neuen Themen, hat uns den Plan per Mail vorab gesendet und so manches Thema wollte sich mir dabei nicht erschließen. Polarisierung im  Aikido ist ein Thema, welches sich mir nur schwer annähern wollte. Als Techniker denke ich technisch und komme auf so Dinge wie zum Beispiel Magnetismus. Ich denke „Plus ist Minus und Blau ist Rot“ und das passt immer noch nicht in den Kontext  Aikido.

Freitagabend, kurze Begrüßung, Abendessen und los geht es im Dojo.

Thema: Polarisierung als Methodischer  Anker

Ulrich gibt uns eine kurze Einleitung, welche Gedanken er sich zu dem Thema gemacht hat und langsam dämmert uns, was Ulrich meint. Bildsprachlich gesprochen, komme ich irgendwann zu der Antwort „Gegensätze schaffen“ oder „trennen“. 

Als aikido-technisches Beispiel hat Ulrich den Tenchi-Nage unter anderem genommen, um uns das Thema näher zu bringen.

Der Abend klingt aus, für manche in der Bar, für andere direkt im Bett. Der Sonnabend beginnt mit einem schnellen Frühstück und ab ins Dojo.

Thema: Analyse und Haltung

Ulrich versucht uns aus den gewohnten Bewegungsmustern herauszuholen mit nicht so oft angewendeten Sabaki-Formen. Das führt zu mancher Gehirnschmelze. Vom Dojo eilig umziehen und ab in den Seminarraum.

Thema: Beim Sport gelernt

Eine tolle Kampagne des NRW Landessportverbandes. http://www.beim-sport-gelernt.de/

Ulrich zeigt uns eine Auswahl an Bildern zu der Kampagne. Die Botschaft der Kampagne „Bildung und Sport“ gehören zusammen. Angelehnt an den Ideen bittet uns Ulrich in Gruppen Werbeschlagworte fürs Aikido zu finden. Die Schlagwortsuche ist angelehnt an Themengebiete. Da kommen viele tolle Ideen bei raus. In mir wurde die Erinnerung wach, wie wir uns in unserer Aikido Vereinsgruppe gemeinsam auf die Suche nach den passenden Schlagworten machten, um Gehörlose fürs Aikido zielorientiert anzusprechen.

Mittagspause und gleich im straffen Programm weiter.

Thema: Mein Gehirn Freund oder Feind?

Banal ausgedrückt, das Gehirn ist eine 1750 Gramm faule Masse, die viel Energie braucht, uns austrickst und nur lernen möchte, wenn es Gutes dabei empfindet.

Körperliche Energieeffekte, wenn man positiv oder negativ denkt, wurden uns demonstriert. Was mancher von uns in die Esoterikschiene schob, mit dem Hinweis „dat geiht nich“. Danach im Laufschritt umziehen.

Thema: Grundsätze des Aikido-Trainings mit Bokken

Zu den Grundsätzen gehört „wie fasse ich ein Bokken an?“ und „wo und wie lege ich das Schwert beim „An- und Abgrüßen“ ab?“. Der Griff gehört nach links. Werner und Alfred zeigten uns die ersten drei Suburis. Bei den 8 Seiten beginnen sich die Ersten mit ihrem Bokken zu verlaufen, mich eingeschlossen. Noch ein zwei Techniken oben drauf, ein kurzes Abendbrot und weiter.

Thema: Verknüpfung von Technik und Methodik: „Verlassen der Linie“

Das Verlassen der Linie legte uns Ulrich schon die ganze Zeit nahe. Wir drehten den Sabaki mal um 180° oder 90°. Wir versuchten uns daran den Vorschlägen von Ulrich zu folgen. Was bei mir dazu führte, das ich auf einmal gefühlte 6 Füße hatte. Mein Gehirn, die faule Masse, war nicht davon zu überzeugen, dass ich beim Ude-Osae in der Anfangsphase nach außen hin verlängern kann. Ulrich erwähnt immer wieder, dass er uns nur Vorschläge machen kann. Ob wir das mit unserem Körper auch so ausführen wollen oder können, überlässt er uns.

Auch an diesem Abend finden sich einige zum Plausch in der Bar ein.

Sonntagmorgen nach dem Frühstück

Thema: Sexuelle Prävention Jugendlicher

Der Referent Rene Strebe war vor 4 Jahren auch mit dabei. Es wird immer ein heikles Thema bleiben. Es soll nicht nur um Kinder und Jugendliche gehen, sondern auch um Erwachsene. Rene Strebe bringt uns das Thema gefühlvoll nahe, er fragte uns was wir gerne besprochen haben möchten. Nach anfänglichem Zögern kommen einige Fragen zusammen. Der Ehrenkodex und das Polizeiliche Führungszeugnis werden angesprochen. Es folgt eine kontroverse Gesprächsrunde. Wir erörtern anhand von kontextlosen Sätzen, ob wir darin einen sexueller Übergriff sehen.

Rene Strebe stellt uns das Schutzkonzept anhand eine Falles vor. Daraus folgt eine weitere Gesprächsrunde.

Einen 100% Schutz wird es nie geben, man kann uns sensibilisieren und aufklären. Auch wenn das Thema nach und nach aus dem Blickfeld verschwindet sollten wir es wachhalten.

Das war ein vollgepacktes Wochenende mit vielen Informationen. Wir haben viel gelacht. Wie wir ja gelernt haben, lernen wir am besten mit positiven Gefühlen. Bis zum nächsten Mal. Ich hoffen wir sehen uns nicht erst in 4 Jahren wieder.

Agnes Schröder
HTBU

Landeslehrgang in Malente mit Frank Mercsak


Eine kleine Schar von Aikidoka aller Altersklassen hatte sich am zweiten winterlich kalten Novemberwochenende auf gemacht, um die Matte in Malente in Beschlag zu nehmen. Meister Frank Mercsak, 5. Dan Aikido, aus Gelsenkirchen hatte zugesagt, den letzten Landeslehrgang des AVSH in 2016 zu geben. Wenige der Teilnehmer und Teilnehmerinnen kannten Frank zuvor. Nach dem Wochenende aber konnten wir alle sagen, dass er ein richtig netter Meister ist, der aussagekräftige Inhalte anschaulich und spannend vermitteln kann. Wenn sogar die Lehrgangsleitung in Person Ulrich Schümanns, 7. Dan Aikido, sagt, dass er viel gelernt hat und Vieles mitnehmen wird in sein eigenes Dojo, dann will das schon was heißen.

Frank ging mit uns einmal quer durchs Programm und damit ist nicht das Prüfungsprogramm gemeint. Im Gegenteil übten wir eine Reihe von Formen, die vielen von uns ein wenig neu waren. Wir wechselten von einem bewaffneten Angriff z.B.mit Schwert oder Messer zur waffenlosen Form und arbeiteten die Parallelen heraus.

Im ersten Training ging es schwerpunktmäßig um Techniken aus Shomen-Uchi: Einen geraden Schlag mit dem Schwert schlug Nage seitlich von unten weg, um dann mit eigenem Schwert an Ukes Hals zu gehen. Diese seitliche Abwehrbewegung war einer der zentralen Aspekte, die er uns auf dem Lehrgang vermittelte. Wenn Nage Ukes Arm oder Bein aus dessen Angriffslinie herausführt, kann Nage eine effektive Gleichgewichtsbrechung des Uke erreichen, ohne dass er/sie sich selbst groß bewegen muss. Bei Shiho-Nage aus Shomen-Utchi übernahmen wir Franks Methode: Uke war nach der Aufnahme und dem Umlenken seitlich zu führen und zwar an der Schulter statt am Ellenbogen: Diese Variante ist besonders für kleine Leute gut geeignet. Frank zeigte uns, dass man Irimi- Nage aus Shomen- Utchi auch ganz kurz machen kann: Der eigene Arm begleitet Ukes Schlag und man lässt die Hand ohne Kraft fallen, nur muss man dabei natürlich leicht die Linien verlassen.

Bewegungssparend zu arbeiten war einer der Aspekte, der sich durch alle Trainings zog. Frank meinte, wenn man wie er über 50 sei, können man gerne anfangen, Energie (gemeint ist hier Bewegungsenergie) zu sparen.

Auch einige fiese Techniken hatte Frank im Angebot. (Insgesamt muss man sagen, dass er sehr weich arbeitet). Er zeigte uns eine Art Sumi-Otoshi, bei der Uke über nach hinten geknickte Finger geführt wird. Diesen „Handknicker“ kann man auch nehmen um Uke direkt nach unten zu führen, indem man selbst achtsam rückwärts geht. Am Sonntag griffen wir dieses Element wieder auf und bauten es in Kote-Hineri aus Ushiro-Ryotetori ein. Kommentar des Ukes: Wat war datt denn? Frank: Dat war Aua.

Auch mit dem Bokken übten wir einige Techniken: Ude-Garami und eine Art Irimi-Nage. Wenn Uke die Schneide spürt, rollt er garantiert....

Besonders gut hat mir eine Vorübung zu Tenchi-Nage gefallen: Uke fasst Nage in Gyaku-Hanmi. Nage verlagert sein Zentrum mit einem Gleitschritt zur Seite und spürt genau, wann Uke instabil wird und sein/ihr Gleichgewicht zu schwinden beginnt. Hierbei konnte man gut spüren, dass beim Tenchi-Nage die Erdehand 80% der Arbeit macht.

Am Sonntag standen Stock (Juji-Garami und Sumi-Otoshi) und Messer (Kaiten-Nage Soto) auf dem Programm. Dann widmeten wir uns eine ganze Zeit Angriffen von hinten. Wichtig ist es, Uke die ganze Zeit in Bewegung zu halten, damit er einem nicht auf dem Weg nach vorne flöten geht. Den Abschluss des Trainings bildete dann ganz klassisch Kokyo-Ho aus Zaho.

Wir waren zwar nur wenige, aber dafür konnten wir ganz intensiv und konzentriert trainieren. In seiner ruhigen und einprägsamen Art hat Frank sich sehr gut auf uns als Gruppe eingestellt und wir haben die Dinge, die er vorzeigte, erforscht und sehr konzentriert und mit viel Spaß bearbeitet.

Die Organisation und das Rahmenprogramm an der Bar liefen wie immer rund. Herzlichen Dank hierfür an Ulrich. Dies war ein rundum gelungener Lehrgang.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Frank - sei es im Norden oder anderswo auf der Matte.

Frauke Drewitz
Sachbearbeiterin Öffentlichkeitsarbeit des AVSH